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von Volker Benke 

BenkeDie 12. Sitzung des innovatorsclub NIEDERSACHSEN fand am 27. Oktober 2015 in den Räumen der VGH Versicherungen statt und führte die Teilnehmer auf eine Zeitreise in das Jahr 2050. Der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Marco Trips, hatte in seinem Grußwort einen Blick in die Zukunft versprochen. Nach den ausgesprochen inhaltsreichen und fundierten Vorträgen stellte sich manchem Teilnehmer durchaus die Frage, ob er einer Vision oder der Ankündigung einer Apokalypse gelauscht hatte. 

Malte Wulf von N2M Architektur & Stadtplanung begann mit einem gründlichen Blick in die Welt des zukünftigen Wohnens „Wohnen 2050“. Man müsse beim Wohnen und bei der Stadtplanung neue Wege gehen, neue Wohnformen würden sich ergeben, weil die Menschen anders leben wollten oder müssten. Die Menschen müssten zukunftsfähig bleiben, neue Entwicklungen dürften nicht verschlafen werden. Wulf schränkte freilich ein, genau wisse man nicht, was die Zukunft bringen würde, ob wir in 35 Jahren noch in Gebäuden leben würden, die nicht so viel anders aussehen als heute. Sicher sei, dass sich der öffentliche Raum verändern werde durch eine andere Nutzung. Er zitierte Churchill, der gesagt hatte. „Menschen machen Gebäude und Gebäude machen Menschen“. 

In seinem Ausblick auf zukünftige Wohnformen meinte Wulf, es werde um die Themen Stadt und Klima, gesundes Wohnen (smart beeing), smart furniture vs. smart home, um die Frage, in welchen Wohnformen wir künftig zusammenleben würden, um Perspektiven für Stadt und Region und auch um eine menschenwürdige Architektur gehen. Die Wohnformen der Zukunft müssten notwendig andere sein. 75 Prozent der Menschen würden in den immer größer werdenden Städten leben. 50 Prozent seien Single-Haushalte, das klassische Familienbild werde überholt sein. Es gehe aber auch um individuelle Lebensweisen, der Mensch werde auch in Zukunft Nähe und Zusammenhalt brauchen. Es werde aber alles enger werden, immer mehr kleine und kleinste Wohnungen geben. Wulf zeigte Beispiele aus Hongkong, beschrieb Wohnwaben mit Wohnen auf engstem Raum aber äußerst praktischer und minimierter Einrichtung. Man werde mehr mit anderen Menschen teilen, weniger Gegenstände besitzen. Nicht nur Autos, auch Küchen, sogar vielleicht Möbel und vieles anderes mehr. Wohnen werde etwas Dezentrales. Die Küche werde zunehmend kalt bleiben. Man treffe sich auch nicht mehr in den Wohnungen, sondern in Mietcontainer oder Waben. Wohnen sei kein endgültiger Zustand mehr, sondern ein ständiger Prozess. Dennoch werde der private Rückzugsraum nicht an Relevanz verlieren, auch wenn sich das Stillen vieler Bedürfnisse nach außen verlagern werde.

Katrin Brodersen von Telekom Deutschland erweiterte in ihrem Vortrag „Mobil 2050 – connected car“ den Blick in die Zukunft um andere Facetten. Es werde ein komplett neues Auto geben in Richtung autonomes Fahren, das sei das Ziel, was auch die Telekom massiv beschäftige. Dabei werde es große Verschiebungen auf dem Automarkt geben, neue Geschäftsmodelle, neue Antriebstechniken. Die Mobilität der Menschen werde sich komplett wandeln und verändern. Es werde ganz andere multimodule also flexiblere Fortbewegungsmodelle und - möglichkeiten geben, auch bei der individuellen Verkehrsmittelwahl. Mehr shareeconomy, mehr carsharing. Alles werde digital vernetzt sein. Der Fahrer könnte sich statt sich auf das Auto und den Verkehr konzentrieren zu müssen, mehr seinen Online-Aktivitäten widmen, er werde damit autonomer, behauptete die Referentin. Der volkswirtschaftliche Nutzen werde größer. Für die Telekom sei das ein ganz großes Thema. Sie unterstütze die Automotiv-Industrie. Komplette Vernetzung sei Aufgabe und Ziel. Die Telekom sehe sich in der Zukunft als die Zentrale der Secure Auto Cloud.

Gerade zu konservativ wirkte dagegen der dritte Vortrag von Ortwin Neuschwander vom Fraunhofer FOKUS in Berlin. Er referierte über das bei Fraunhofer FOKUS angesiedelte Innovationszentrum Öffentliche Sicherheit und über KATWARN, als vernetzte Sicherheit für alle Bürger und Unternehmen. Dabei stünde der Mensch aber immer an erster Stelle. Es gelte grundsätzlich das Prinzip „citizen first“. Neuschwander meinte, es sei schwierig, heute schon etwas über das Jahr 2050 zu sagen. Alles müsse aber menschenwürdig bleiben. KATWARN gehe es darum, als behörden- und nutzerübergreifende Plattform Risiken durch frühzeitige Warnung zu minimieren. KATWARN sei mit Hilfe der öffentlichen Versicherungen das größte europäische Warnsystem, das sich jeder über eine App auch auf sein Handy holen könne. KATWARN würde auch im Gegensatz zu anderen keine Bewegungsprofile anlegen. Das sei ausgeschlossen und auch nicht gewollt. Als Prinzip gelte, dass erst ein wahrnehmbarer Nutzen im Alltag der Menschen das notwendige Vertrauen schaffe in neue Technologien. Der Referent zählte etliche Beispiele von Unternehmen und Städten auf, wo das System bereits perfekt funktioniere. Letztendlich gehe es Fraunhofer Fokus darum, Gefahren wie Pandemien, flächendeckende oder lang anhaltend Stromausfälle, auch Terrorangriffe oder Extremwetterlagen, die die hoch technisierten Gesellschaften des 21. Jahrhunderts in ihrem Kern treffen könnten, technologisch und organisatorisch angemessen zu begegnen. Deshalb sei ein Umdenken in zu einer vernetzten Sicherheit erforderlich.