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von Thorsten Bullerdiek

Bullerdiek Portrait FarbeHört man auf Meinungsforscher, Trend- und Zukunftsexperten, so ist einem seit vielen Jahren klar: Leben kann man nur in der Großstadt. Hier schlägt der Puls, hier ist alles, was man braucht. Schon jetzt und in der Zukunft sowieso. Täglich werden wir mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis versorgt: „Der Trend geht in die Großstädte! Auf dem Land – da kannst Du einpacken, da gehen die Lichter aus.“ Warum? Letztendlich ist es, wie immer, eine Frage der Attraktivität des Angebotes, der Nachfrage und der Preise. Allerdings: Je mehr Menschen – verstärkt auch noch durch die zu uns kommenden Flüchtlinge – in die Großstädte drängen, umso mehr steigen die Preise, und die Attraktivität sinkt. Da helfen weder Mietpreisbremse noch weitere Hochhäuser – der Platz ist nun mal begrenzt. Es wird eng und enger.

Alternativen sind Trabantenstädte vor den Toren der Großstädte, die dann zwar deren Namen tragen (wie zum Beispiel in Paris oder Bremen), aber weniger Flair haben. Von denen kann man an schönen Tagen mit guten Augen oder einem Fernglas in weiter Ferne die Großstadt sehen. Schön ist es in diesen Trabantenstädten meistens nicht. Es sind eher Verwahranstalten, die dort entstanden sind, Ballungsräume mit hohen sozialen Spannungen, die in diesem Umfeld kaum aufgelöst werden können. Können wir damit zufrieden sein? Wollen wir verwaltet werden? Ist es unser Ziel, eingeengt in Wohnschachteln zu leben? Können wir so noch kreativ sein? Oder müssen wir uns die Frage stellen: Leben wir noch?

Wenn wir Freiräume entdecken und selbst mit Leben erfüllen wollen, dann müssen wir dringend auf‘s Land! Denn in der Großstadt wird es zu teuer, zu langweilig, zu kriminell werden, wenn die Räume enger werden. Drinnen, verwaltet und verwahrt ist ja keine wirkliche Alternative zu draußen und frei. Wenn wir das wollen, dann müssen wir aber auch bereit sein, mit anzupacken: Farbe rausholen und die Welt dort bunt und attraktiv gestalten, die Menschen mitnehmen, Perspektiven und ansprechende Möglichkeiten bieten, sich selbst zu verwirklichen. Wir sollten anfangen: Unis müssen sich öffnen, und ihre Studenten müssen raus aus der Großstadt. Praktika auf dem Land und Projektarbeiten mit Ideen und Konzepten für das Land sollten Pflicht sein in jedem Fach. Das Land profitiert dabei von den Studenten und umgekehrt.

Damit Großstädte atmen können, müssen sie – auch zum eigenen Vorteil – teilen lernen. Es reicht nicht, Dinge, die unangenehm sind, einfach aufs Land abzuschieben (wie zum Beispiel den Müll). Auch hier können Unis und die Politik mit gezielter Förderung für das Land den Großstädten und dem Land helfen. Unsere Chance liegt ganz klar auf der Hand – auf dem Land! Wir sollten schnell zugreifen!

 

 

 

 

Die Pilotierung des Gemeinde 5.0-Teilprojekts „ICH-FÜR-DICH“ ist in fünf niedersächsischen Kommunen gestartet. Die Pilotkommunen sind die Gemeinden Bad Laer, Barßel, Friedland, Ostrhauderfehn sowie die Samtgemeinde Gieboldehausen. ICH-FÜR-DICH ist ein Gemeinschaftsprojekt des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Microsoft Deutschland und der LMIS AG. Mit dem Projekt soll das lokale Ehrenamt unterstützt und gefördert werden.


Helfen im Kleinen: Das Projekt "ICH-FÜR-DICH"

Idee des Projektes ICH-FÜR-DICH ist, dass Bürger online Projekte vorschlagen und freiwillige Helfer hierfür gewinnen können. Helfer wiederum können sich entsprechend ihrer Interessen, Fähigkeiten und zeitlichen Verfügbarkeit zu diesen Projekten anmelden. Ziel soll sein, die ehrenamtliche Arbeit lokal zu fördern und zu steigern. ICH-FÜR-DICH bringt Menschen zusammen, die sich auf anderen Wegen eventuell nicht hätten finden können.

Egal, ob ein Wald aufgeräumt werden soll oder jemand gesundheitsbedingt Hilfe im Garten benötigt – es geht darum, Spaß bei den Arbeiten zu haben und gleichzeitig Nützliches zu leisten. Zielgruppe sind nicht nur engagierte junge Leute, auch die Lebenserfahrung rüstiger Rentner ist in bestimmten Helferprojekten sehr gefragt. Moderne Technologien sollen dazu genutzt werden, Angebot und Nachfrage im Ehrenamt zusammenzuführen. Es muss nicht immer‚ die große Aktion‘ sein, auch kleinere Renovierungsarbeiten in Haus und Garten oder Projekte, die nicht Personen, sondern der Umwelt zu Gute kommen, können Gegenstand eines ICH-FÜR-DICH-Projektes sein.


Bürgerschaftliches Engagement für mehr Lebensqualität

Die demografische Entwicklung und der fortschreitende Strukturwandel stellen die Städte, Gemeinden und Samtgemeinden im ländlichen Raum vor große Herausforderungen. So wirken sie sich auch auf wichtige Bestandteile der Daseinsvorsorge aus, was zu "Versorgungslücken" führen kann. Diesem Umstand kann durch bürgerschaftlichem Engagement begegnet werden – nicht als Ersatz für die staatliche Aufgabe, sondern als wichtige Ergänzung dazu.

„Bürgerschaftliches Engagement spielt gerade für die zukunftsfähige Entwicklung des ländlichen Raums eine bedeutende Rolle und kann entscheidend dazu beitragen, die Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürgern zu erhalten und zu verbessern. Aus diesem Grund haben wir im Rahmen des NSGB-Zukunftsprojektes „Gemeinde 5.0“, in Kooperation mit unseren Projektpartnern Microsoft und der LMIS AG, das Projekt „ICH-FÜR-DICH“ entwickelt, in dem ehrenamtliche Hilfen mit niedrigschwelligem Zugang durch Einzelpersonen organisiert und vermittelt werden können.“ 
Lena Franke, Leiterin des NSGB-Projekts „Gemeinde 5.0“


Das Ehrenamt: Ein Stück Menschlichkeit

Unter Ehrenamt im ursprünglichen Sinn versteht man ein freiwilliges öffentliches Amt, das nicht auf Entgelt ausgerichtet ist. Man übernimmt es meist für eine bestimmte Dauer bei freien Trägern, Projekten, Vereinen, Initiativen oder Institutionen. Die größten Tätigkeitsbereiche für soziales Engagement findet man in den Bereichen Sport, Kultur und Musik, Freizeit, Gesundheit, Soziales, Schule, Kindergarten, Bildungsarbeit, Umweltschutz, Naturschutz, Tierschutz, in der Politik, Kirche, Justiz, bei den Unfall- und Rettungsdiensten oder der wirtschaftlichen Selbsthilfe.

„Unsere Gesellschaft ist auf das Ehrenamt angewiesen, um sozial zu funktionieren. Deshalb hat die LMIS AG sich dazu entschieden, das Projekt ICH-FÜR-DICH zu unterstützen und nach vorne zu bringen. Wir sind überzeugt davon, dass das Konzept einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl in einer zunehmend digitalisierten Welt leisten wird.“
Marco Barenkamp, Vorstandsvorsitzender LMIS AG

 
Die ICH-FÜR-DICH-Plattform: Technische Realisierung 

Die LMIS AG hat die technische Realisierung der ICH-FÜR-DICH-Plattform übernommen. Oberstes Ziel dabei war es, eine Plattform zu schaffen, die einfach und intuitiv zu bedienen ist. Die Kernfunktionen liegen im Wesentlichen in der Erstellung von ehrenamtlichen Projekten, d. h. Titel, Termin und Beschreibung des ICH-FÜR-DICH-Projektes sowie Anzahl der benötigten Helfer, Ziel, Dauer, Ort und ggf. benötigte Ressourcen. Auf der Seite der interessierten potentiellen Helfer ist es möglich, sich Projekte auflisten zu lassen, eine Vorauswahl nach Terminen oder Orten zu treffen, und sich für passende Projekte einzutragen.

Die LMIS AG hat die Plattform auf Basis der Microsoft Azure Plattform so realisiert, dass für die Nutzung von ICH-FÜR-DICH keine separate Installation bei der jeweiligen Kommune erfolgen muss. Vielmehr soll sich die Plattform in den kommunalen Webauftritt integrieren und Teil des dortigen Angebots werden. Durch die Wahl dieser Art der Integration soll das Thema Ehrenamt in Kommunen eine Selbstverständlichkeit werden. Ziel ist es, die Hürden für den Einstieg in die ehrenamtliche Arbeit auf lokaler Basis so gering wie möglich zu halten.

Nach Abschluss des Pilotbetriebs Ende des Jahres 2015 werden wir über den Start des Regelbetriebs informieren.

Interessierte können sich die Plattformen unter www.ichfuerdich.net anschauen.

Freuen sich über den Start von ICH-FÜR-DICH (v.l.): Jens Giesker - Leiter Fachbereich Zentrale Aufgaben, Finanzen & Bildung, Gemeinde Bad Laer, Lena Franke - Projektmanagerin Gemeinde 5.0, NSGB, Karl Emde - Ratsmitglied, Gemeinde Friedland, Marco Barenkamp - Vorstandsvorsitzender, LMIS AG, Marlies Dornieden - Bürgermeisterin, Samtgemeinde Gieboldehausen, Elisabeth Bruns - Beauftragte für ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe, Samtgemeinde Gieboldehausen, Günter Harders - Bürgermeister, Gemeinde Ostrhauderfehn, Andre Siebum - Systemadministrator, Gemeinde Barßel.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt von:  
 

Niedersachsen wird KATWARN-Land: Auf der gemeinsamen Sitzung des Präsidiums des NSGB und NLT wurde der Beschluss über die landesweite Einführung von Systemen zur Warnung der Bevölkerung gefasst.

Angesichts der veränderten Lebensbedingungen und technischen Möglichkeiten ist die Einführung von elektronischen Warnsystemen wie KATWARN ein sinnvoller Baustein für einen flächendeckenden modernen Bevölkerungsschutz in Niedersachsen. Das System ist sowohl für den Katastrophenschutz als auch für die örtliche Gefahrenabwehr sinnvoll.

KATWARN als Bestandteil des wegweisenden NSGB-Zukunftsprojekts „Gemeinde 5.0“, ist bereits in mehreren Landkreisen im Einsatz und ergänzt die Informationen von Polizei, Feuerwehr und Medien im Unglücksfall erfolgreich.

Nähere Informationen unter http://www.katwarn.de/

Zur n24-Mediathek: http://www.n24.de/n24/Mediathek/videos/d/7330104/-katwarn--informiert-menschen-bei-gefahr-per-handy.html

KATWARN Windows keine Warnung Heyde kleiner     KATWARN logo 120x46 jda

 © Matthias Heyde/ Fraunhofer FOKUS

Am 15.07.2015 findet der erste regionale Exkursionstag zum Thema " Zukunftsblick(e) - Lebendige Beispiele im ländlichen Raum" im Projekt "Gemeinde 5.0" in Kooperation mit der Allianz Ländlicher Raum statt.

In den ländlichen Regionen Niedersachsens gibt es zahlreiche gute Ideen ländlicher Entwicklungspraxis. Viele Beispiele harren jedoch auf ihre Entdeckung, da sie entweder zu „unspektakulär“, zu regional oder nur einem kleinen Fachkreis bekannt sind. Diese positiven Beispiele müssen stärker sichtbar und einer breiten interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Innerhalb des Projekts „Gemeinde 5.0“ findet unter Federführung der Allianz Ländlicher Raum eine eintägige Exkursion in die Region Lüneburg statt. Im Rahmen der fachlich geführten Exkursion werden gute Beispiele entlang der Themen „Bauen“, „Leben“, „Arbeiten“, „Wohnen“ und „Lernen“ besichtigt.

Wir laden Sie herzlich ein, an diesem Tag neue Eindrücke und Ideen in der Region Lüneburg zu gewinnen und sich fachlich mit den Projektträgern und anderen Kollegen auszutauschen.

medien icon pdf Programm sowie Details zur Anmeldung.

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